Flächenmässig ein wenig kleiner als die Schweiz, dafür etwa drei Mal so viele Einwohner. Städte, Strände, Tempel, Schluchten, sehr viel Urwald und Gebirge. Diese und andere Eigenschaften kennzeichnen Taiwan.
Begonnen hat unsere Reise in Taiwan damit, dass wir Taipeh zuerst etwa 40 Minuten von oben gesehen haben: Das Flugzeug kreiste und kreiste und kreiste am Himmel. Froh waren wir, als das Flugzeug dann endlich landen durften. Der Abend war dank der Verspätung vorbei. Umso mehr haben wir uns auf den nächsten Morgen gefreut: Wir trafen meine philippinische Freundin Lorelie noch einmal, da sie auch nach Taiwan geflogen war, zusammen mit ihrer ältesten Schwester. Diese hat seit ihrer Krebserkrankung eine „Bucket list“, ganz allgemein hat sie den Wunsch zu reisen. Das tun die zwei dann manchmal zusammen, jeweils ein paar Tage nehmen sie sich eine Auszeit.
Von Warnschildern bis zum Vergnügungspark
Während Lorelie und Laura in Taipeh blieben, zog es uns nach dem Treffen weiter der Westküste entlang Richtung Sonne-Mond-See. Rund um diesen See lässt es sich sehr gut spazieren und wandern. Von der Landschaft her wägt man sich schon fast in der Schweiz. Schaut man sich die Natur aber genauer an und denkt an die Temperaturen im März in der Schweiz, merkt man, dass man sich in den Tropen befindet. Wir schauen uns einen grossen Tempel an und sind beeindruckt von den Farben und den Schnitzereien.
Den See von den umliegenden Hügeln zu betrachten, scheint uns eine gute Idee zu sein. Schon bald scheint die Idee nicht mehr so gut zu sein, da sich die Endstation in einer Talsenke befindet. Scheint uns völlig unlogisch, aber so ist es nun einmal. Dafür gibt es dort als Überraschung einen schönen, grossen Park mit vielen nachgebauten Häusern der Ureinwohner Taiwans. Und die noch grössere Überraschung: Es gibt sogar noch einen Vergnügungspark mit vielen Bahnen. Anstatt also Wasser (den See) von oben zu betrachten, fahren wir unter anderem auf mehreren Wildwasserbahnen. Schon im Park werden wir das Gefühl nicht los, dass in Taiwan vor möglichen Gefahren immer wieder gewarnt wird. So hat es überall Hinweisschilder, die vor Wespen und Schlangen warnen. Und auch später auf einem etwas längeren Spaziergang wird diese Vermutung wieder bestätigt: Ein Schild folgt auf das nächste. Wir sehen dann zwar noch eine Schlange, aber erst an der Ostküste. Hier im Westen sehen wir lediglich zwei überfahrene Schlangen, lebende Eidechsen, Eichhörnchen und auch einen Affen.
Affen, Tempel und Vespas
Um unsere nächste Station zu erreichen, fahren wir mit dem Auto über Pässe durch zwei Nationalparks. Ja, es wäre auch direkter und einfacher gegangen. Und schlussendlich waren wir schon sehr lange im Auto. Wir staunen immer wieder, wie gut die Kinder das alles mitmachen. Auf dem gewählten Weg gibt es so viele Kurven wie wir es sonst noch nie erlebt haben. Auch hier wird mittels Schildern immer wieder gewarnt und zwar vor Steinschlag. Diese stehen bestimmt nicht ohne Grund dort: In Taiwan gibt es immer wieder starke Erdbeben und auch von Taifunen wird das Land immer wieder heimgesucht. Wirklich wunderschön ist die Natur während der Fahrt: So viele Bäume gibt es zu sehen, so viel grün und wir haben sogar noch das Glück, mehrere Makaken zu sehen. In Tainan angekommen merken wir bald, dass die Strassen dort sehr eng sind. Wir fahren nämlich in eine rein, verfahren uns und es wird irgendwie so ziemlich eng beim Wenden. So werden wir für einmal nicht angestarrt, weil wir so anders aussehen, sondern weil wir ein wenig querstehen. Dies ist also ein Grund, weshalb es in Taiwan so viele Vespas gibt: Die teilweise so engen Strassen in den Städten. Vespas gibt es wirklich wie Sand am Meer. Fast schon wie in einer Motorradbande fahren sie bei roten Ampeln ganz nach vorne und wenn dann losgefahren werden kann, ergibt sich dieses spannende Bild von hunderten von losrasenden Vespas. Die Strassen in Taiwan sind übrigens extrem gut. Es gibt praktisch keine Löcher, und ausser in den Gässchen, gibt es viel Platz und es wird vorsichtig gefahren. Tainan war früher einmal die Hauptstadt von Taiwan. Hier gibt es sehr viele Tempel zu sehen. Die muss man nicht einmal suchen, man läuft ganz bestimmt an irgendeinem vorbei. Spannend ist auch, dass das Meer früher viel weiter in die Stadt reinfloss und die Schiffe zu bis heute noch bestehenden Häusern fahren und Ware entladen konnten.
Süd- und Ostküste: Strände und Schluchten
Nach Tainan führt uns die Reise in den Süden von Taiwan. Dort haben wir geplant, nochmals ausgiebig das Meer und die Strände zu geniessen. War das Meer auf den Philippinen sehr flach und ruhig, gibt es hier manchmal grössere Wellen und wir bekommen zu spüren wie viel Kraft das Wasser hat. Trotzdem geniessen wir nochmals viele Tage beim Baden an verschiedensten Stränden. Eine weitere wunderschöne Seite Taiwans lernen wir dann noch kennen, als wir der Ostküste entlang in den Norden reisen. Wild tosend werfen sich die Wellen auf den schon fast dunkelgrauen Sand. Die Strasse schlängelt sich steil aufragenden, hohen Bergen entlang. Im Süden und Osten von Taiwan wird sehr viel Essen angebaut. In den Super- und auf Strassenmärkten sahen wir, dass viele einheimische Produkte verkauft werden. Und während dem Reisen und auf einem unserer Ausflüge, der uns über eine abenteuerliche Strasse zu einem Aussichtspunkt brachte, haben wir viele Felder und Plantagen gesehen.
Wunderschön waren auch die weiteren Ausflüge im Osten des Landes. So gibt es an einem Strand eine Brücke, die auf eine kleine Insel führt. Das Inselchen selber kann zu Fuss umrundet werden. Begleitet wird man dabei immer mal wieder von einem lauen Luftstoss und dem tosenden Meer. Bekannt ist auf der Ostseite Taiwans auch der Tarokonationalpark mit der gleichnamigen Schlucht. Wir haben dort einen Weg unter die Füsse genommen, der durch mehrere kürzere und längere dunkle Tunnel führt. Eine Taschenlampe dabei zu haben ist ratsam. Der Höhepunkt ist dann der letzte Tunnel wo man neben und unter Wasserfällen durchlaufen kann.
Taipeh: von Tieren und Wolkenkratzern
So wie unsere Reise in Taiwan in Taipeh startete, hörte sie auch dort auf. Auch hier machten wir nochmals Bekanntschaft mit einer sehr schmalen Gasse, so schmal, dass beim Durchfahren wirklich jeder Millimeter zählte. Während der botanische Garten nicht sehr viel geboten hat, waren wir vom Zoo begeistert. Über die eingesperrten Tiere lässt es sich natürlich immer streiten, eine Umgebung wie sie dieser Zoo zu bieten hat, habe ich aber in einem Zoo noch nie gesehen. Es hat so viele Bäume und Pflanzen, so dass sich die Anlage wirklich als sehr schön beschreiben lässt. Neben dem Zoo wollten wir uns den Ausblick vom Taipeh 101 nicht entgehen lassen. Leider war die Sicht bei unserem Besuch nicht so toll, trotzdem ist es immer mal wieder spannend zu sehen, wie klein zum Beispiel Autos aus dieser Höhe aussehen. Die einzigen Störfaktoren waren in diesem Fall die Festlandchinesen. Die haben unsere Kinder fast aufgegessen. Sie haben sie natürlich fotografiert (das kannten wir schon), also einfach so, gefragt wird da nicht. Die kleinere wurde hochgehoben, sich auf die Beine gesetzt, umarmt wurden beide Kinder, die Haare werden angefasst etc. irgendwann hatten wir und vor allem die Kinder genug und so haben wir die Flucht ergriffen. Deshalb zum Abschluss noch ein paar Merkmale, um nicht zu sagen Kuriositäten, Taiwans:
- wir werden angeschaut, ja sehr oft, vor allem die Kinder sind eine Attraktion
- wohl noch nie haben wir so viele Warnschilder und Ampeln gesehen wie hier (dafür gibt es für die Fussgänger lustige Ampelmännchen: die laufen ganz lustig, so als würden sie hüpfen und wenn die Ampel bald rot wird, fangen sie an zu springen. Wir haben sogar Ampelmännchen gesehen, wo der Mann der Frau einen Heiratsantrag macht und dann laufen sie Hand in Hand davon)
- sehr oft werden Geschwindigkeitskontrollen gemacht
- gefahren wird eher langsam, also ausserhalb der Dörfer (40, 50, 60), dafür haben wir auch erlebt dass innerhalb eines Dorfes schneller gefahren werden darf
- geschmatzt und geschlürft wird hier immer und überall. Das Essen mit den Stäbchen (zum Beispiel Suppe mit Nudeln) wird also auch für uns einfach
- Stinktofu, ja genau, den gibt es, soll eine Spezialität sein. Ich bin überhaupt nicht heikel was Essen anbelangt. Aber dieser Geruch hat mich verjagt…..
- da wir auch kein Chinesisch sprechen, wollen wir uns nun einmal nicht über das Englisch der Taiwanesen auslassen. Nur so viel dazu: es ist nicht immer einfach sich verständlich zu machen