Nach einem ersten Tag in Manila möchte ich meiner Familie einen Teil der Stadt zeigen, der nicht sehr schön ist und auch schon als ärmere, aber ganz bestimmt nicht ganz arme Gegend bezeichnet werden kann. Ohne Probleme kann man sich in diesen Teil der Stadt auch als Tourist hinwagen.
Wir sind also unterwegs und da wir vergessen haben Wasser mitzunehmen, besorgen wir welches. Während die Kinder und ich vor dem Laden warten, bittet mich ein etwa drei- bis vierjähriger, unterernährter Junge um Geld. Da ich vor 14 Jahren mit den Ärmsten der Armen gearbeitet habe, weiss ich natürlich, dass ein paar Kilo Reis und andere Esswaren auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein sind. Jedoch kann somit der tägliche Druck der Besorgung von Essen zumindest für einen Moment sinken. Also stapfe ich in den Laden und kaufe Essen für diesen kleinen Jungen. Als ich mit ihm spreche und das Essen anbiete, will er es partout nicht annehmen. Nichts davon möchte er. Ich bin ein wenig erstaunt, weiss aber auch, dass gerade Kinder aus sehr armen Verhältnissen oftmals geschlagen werden, wenn sie den Anforderungen (Geld etc. besorgen) der Eltern nicht genügen.
Es ist nicht das erste Paar Kinderaugen hier, das in diesem so extrem jungen Alter diesen speziellen Blick hat: Den der grossen Zermürbtheit und Hoffnungslosigkeit.
Das gekaufte Essen hat dann ein anderer etwa sechsjähriger Junge dankend entgegen genommen. Unseren Proviant habe ich dann auch noch verschenkt: Eine im Abfall wühlende Frau mit ihrer kleinen Tochter konnte in diesem Moment mehr damit anfangen als wir.