Manila mit all seinen Facetten erleben: Das haben wir wohl gar nicht einmal so schlecht hingekriegt. Von dreckig bis sehr sauber, von arm bis reich, von laut bis sehr laut (leise gibt es nicht), von Business bis Strassenmarkt und von heiss bis kalt.
Angefangen haben wir damit, dass wir an einem anderen Ort abgestiegen sind als wir geplant hatten. Eigentlich wollten wir in einer noch passablen, aber lauten Ecke von Manila absteigen. Nicht so lange vor unserer Ankunft haben wir uns anders entschieden: Wir sind in einer sehr guten Gegend untergekommen, nämlich im Businessviertel von Manila, genannt Makati. Da Manila meistens sehr anstrengend ist und wir zehn Tage dort waren (was für viele Menschen, die Manila kennen, nicht verständlich ist), wollten wir uns den Alltag nicht anstrengender machen als er in dieser quirligen Stadt sowieso schon ist.
Vor vierzehn Jahren war ich vielleicht zwei oder drei Mal im Businessviertel. Da ich etwa fünfzig Kilometer nordöstlich von Manila gelebt und gearbeitet habe und die Anreise eher beschwerlich war und etwa drei Stunden dauerte, war ich nicht oft in Manila. Wenn, dann war ich in den noch passablen, armen oder ärmsten Gegenden unterwegs. So war ich dieses Mal ein bisschen voreingenommen, diesem schöneren Stadtteil von Manila gegenüber. Meine Familie musste sich des Öfteren anhören, dass das im Fall nun wirklich nicht das richtige Manila sei. So war es für mich ganz klar, dass wir auch die nicht so schönen Gegenden besuchen würden.
Makati, das Businessviertel oder der goldene Käfig
Zuerst aber zu Makati: Dort ist es sehr sauber, mehrheitlich befinden sich dort Hochhäuser, teure Hotels, gute Restaurants und viele Einkaufszentren mit teuren Angeboten. Arme Menschen sieht man keine. Es ist also wirklich so, als würde man im goldenen Käfig leben. Heiss ist es natürlich auch dort, dafür werden die Innenräume gekühlt als gäbe es kein Morgen mehr. Wirklich, ich hasse diese von Klimaanlagen unterkühlten Gebäude. Ein bisschen weniger wäre in diesem Fall mehr an Atmosphäre. Aber wie wir wissen, ist das in tropischen Ländern ja immer so mit den Klimaanlagen und wenn wir dann den Kaffee warm bestellen und nicht mit Eiswürfeln gekühlt, dann werden wir zuerst schräg angeschaut und es wird bestimmt noch drei Mal nachgefragt, ob wir uns ganz sicher sind mit heiss und so.
Atmosphäre im Sinne von wirklich gemütlich essen gehen und einmal ein bisschen Ruhe geniessen können, das kennt man aber auch in Makati (Businessviertel) nicht so wirklich. Überall ist es immer laut, Filipinos und Filipinas trifft man eigentlich immer mindestens zu zweit an und auf jeder Sitzbank passt noch einer mehr rein. Das ist dann vor allem bei gefühlten 38 Grad sehr angenehm.
Divisoria, der Markt oder wo die Armen leben
Als wir schon etwa eine Woche in Manila sind, besichtigen wir den alten Stadtteil Intramuros. Dort kann man sehen, dass die Spanier einmal auf den Philippinen waren, der europäische Baustil drückt noch hier und dort durch. Da sich Divisoria ganz in der Nähe befindet, möchte ich meine Familie gerne noch dorthin entführen. Divisoria ist ein Markt in Manila, es hat auch ein Einkaufszenter, wo es extrem billige Schnäppchen gibt. Es gibt viele arme Menschen hier und ich möchte nicht voyeuristisch sein, aber mir war es sehr wichtig, dass unsere Kinder einmal ein bisschen mehr als ansatzweise sehen können, dass es auch ganz anders sein könnte.
Für mich ist Divisoria aber auch der Ort, den ich mit sehr vielen Erinnerungen verbinde. Dieser Ort war für mich oftmals der Ausgangspunkt, um in eines der Armenvierttel zu gelangen. Dort habe ich erfahren, dass die sehr armen Menschen, Früchte und Gemüse, das von grossen Lieferwagen gefallen ist, auflesen und dann verkaufen, dort habe ich mir für eine philippinische Hochzeit einer Freundin und eines Freundes ein Kleid massschneidern lassen, dort war ich doch einige Male mit meiner besten philippinischen Freundin und mit den jungen Menschen, die bei uns lebten und die mich mit zu ihnen nach Hause nahmen in die Armenviertel. In Divisoria gibt es viele arme Menschen, es ist chaotisch, laut und dreckig. Nichtsdestotrotz fühlen wir uns auch hier sehr gut aufgehoben und sicher.
Wir fahren also dorthin und ich schreibe einem Freund, der dort als Träger arbeitet, dass wir nun in seiner Nähe wären. Auch mit diesem jungen Mann habe ich damals sein Zuhause besucht und einen Tag mit ihm dort verbracht. Seine Familie lebte unter extrem armen Umständen, trotzdem habe ich damals eine sehr gute Zeit dort verbracht. So sehen wir uns also in Divisoria um, ich wundere mich über die vielen Träger, die sehr schwere Lasten schleppen und extrem schlecht verdienen. Es geht nicht lange und ich werde von einem Jungen um Geld gebeten. Ich schlage ihm vor, dass ich ihm Essen kaufe. Das lässt er sich nicht zwei Mal sagen, schon verweist er mich auf den nächsten Essenstand und wie könnte es anders sein: Am Schluss kaufe ich für sehr viele Kinder essen, weil einfach viele daher kommen und auch anstehen. Irgendwie haben die wohl ein Geheimzeichen, das ich übersehen haben muss, ha, ha.
Öffentliche Verkehrsmittel
Leider treffen wir meinen Freund nicht. Er arbeitet gerade nicht in der Nähe, einfach mal so schnell bei uns vorbeischauen geht nicht. Wir entscheiden uns den Tag mit einer Jeepneyfahrt abzuschliessen. Schliesslich geht in Manila ohne dieses öffentliche Verkehrsmittel gar nichts. Schon vor vierzehn Jahren wurde mir jeweils gesagt, dass ich nicht mit ÖV fahren sollte. Das sei zu gefährlich, ausrauben und entführen könnte man mich. Nun ja, diese Argumente lassen mich nicht davon abhalten auch mit meiner Familie in ein Jeepney zu steigen. Überall kann man diese heranwinken, man muss einfach schauen, dass man eines erwischt, dass auch dorthin fährt, wo man hinmöchte (ich habe da vieles erlebt, oftmals stand ich irgendwo und wusste nicht mehr wo ich bin). Im Fahrzeug selber reicht man die Münzen für die Fahrt nach vorne zum Fahrer, sagt ihm wie viele Personen mitfahren und wohin man fährt. Möchte man aussteigen, klopft man ans Wagendach und ruft „para“.
Zugegeben, Manila ist nicht nur einfach, in vielerlei Hinsicht nicht. Trotzdem gibt es einiges zu erleben und sehen, wenn man ein bisschen etwas wagt sowie Dreck, Stau und Armut nicht scheut. Wie sonst auch schon auf den Philippinen hatten wir auch in Manila eine sehr gute Zeit. Ich hatte ja ein wenig Angst, dass es meinen drei Lieben vielleicht nicht gefallen könnte. Dem war nicht so: Alle drei fanden die Philippinen wirklich toll und die Kinder wären gerne noch länger geblieben (ich ja auch).